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Winterschnitt bei Apfelbäumen

Winterschnitt bei Apfelbäumen

Der Winter ist für viele Freizeitgärtner eine ruhige Jahreszeit. Es fallen kaum Arbeiten an, die dringend erledigt werden müssen. So bleibt Zeit, sich um den Schnitt der Obstbäume zu kümmern. Ein Winterschnitt wird jedoch nur beim Kernobst, d. h. Apfel, Birne und Quitte, durchgeführt. Für Steinobst, also Zwetschge, Süß- und Sauerkirsche, ist der Sommer nach der Ernte günstiger. Sehr späte Zwetschgensorten bilden die Ausnahme. Sie werden auch im Winter geschnitten.

Sinn und Zweck des Schnittes bei einer Rundkrone

Je nach Alter des Baumes verfolgt man unterschiedliche Ziele. In der Jugendphase, das ist etwa die Zeit von der Pflanzung bis zum Ertrag, muss für einen günstigen Grundaufbau der Baumkrone gesorgt werden. Die drei bis vier Leitäste müssen gleichmäßig um den Stamm verteilt sein und dürfen nicht zu steil anstehen, da sie sonst durch das Gewicht der Früchte ausbrechen könnten, wenn der Baum im Ertrag steht. Auch ein zu flacher Kronenaufbau ist ungünstig. Ideal ist ein Astab-gangswinkel von etwa 45°. Bei zu flacher, fast waagrechter Aststellung lässt das Triebwachstum später fast ganz nach. Ein lockerer Kronenaufbau, bei dem Blätter und Triebe nicht lange nass bleiben, beugt Pilzkrankheiten vor.

Sobald die Bäume im Ertrag stehen, muss ein Gleichgewicht zwischen Triebwachstum und Ertrag geschaffen werden. Der Triebneuzuwachs darf nicht überwiegen. Die Früchte müssen reichlich Licht bekommen, um optimal ausreifen zu können.

Mit zunehmendem Alter lassen Obstgehölze im Triebwachstum nach. Alte Bäume müssen verjüngt werden, d. h. sie benötigen einen starken Rückschnitt. Dies führt zu einer stärkeren Neutriebbildung und Vitalisierung der Pflanzen. Anschließend müssen noch Korrekturen im Sommer durchgeführt werden. Danach können alte Bäume wieder höhere Erträge mit verbesserter Fruchtqualität bringen.

Grundsätze

Im Allgemeinen gilt: Ein Rückschnitt im Herbst bewirkt einen stärkeren Neuaustrieb als das Schneiden im Spätwinter. Starker Neuaustrieb ist auch nach sehr weitgehenden Schnittmaßnahmen oder dem Rückschnitt aller Triebe zu erwarten. Häufig wachsen dann so viele Neutriebe, dass eine zu dichte, licht- und luftundurchlässige Baumkrone entsteht. Darum sollen starkwachsende Bäume nur einen schwachen Rückschnitt erhalten.

Die reichste Blüten- und Fruchtbildung erfolgt beim Apfel an zweijährigen Trieben. Ältere Triebe sind nur als Gerüst für den inneren Kronenaufbau nötig. An den Fruchtästen alter Bäume befindet sich viel sogenanntes Quirlholz (Fruchtspieße), das nur minderwertige Früchte gibt. Solche Fruchtäste leitet man auf jüngere, nach außen stehende Neutriebe ab.

Ständige Erneuerung von älterem Fruchtholz ist erstrebenswert!

Die Skizze zeigt einen vierjährigen Fruchtquirl, der durch den Fruchtbehang herabgebogen wurde. Daran wachsende Neutriebe gelangen in die Waagerechte, wodurch die Anlage von Blütenknospen gefördert wird. Wenn jeweils das alte Fruchtholz geschnitten wird, erreicht man eine „Rotation“ des Fruchtholzes.

Werkzeuge

Schnittmaßnahmen sind immer mit scharfen Werkzeugen durchzuführen. Ungeeignet sind Scheren, die nach dem Ambossprinzip arbeiten. Sie erzeugen Quetschwunden, die schlecht verheilen. Sägen mit einem feingezahnten Sägeblatt hinterlassen gewöhnlich keine ausgefransten Wundränder. Sind die Sägewunden trotzdem nicht glatt, so sollte mit einem scharfen Messer oder einer Hippe nachgebessert werden.

Wundpflege

Auf größeren Wunden darf kein Wasser stehen bleiben, es muss ablaufen können. “Stummelschnitte” sind zu vermeiden. Sie stellen für Krankheitserreger geeignete Eintrittpforten dar. Diese Aststücke sterben ab und können nicht durch das Wundgewebe überwallt werden. Günstiger ist ein Schnitt auf Astring, d. h. der Schnitt wird direkt an der Ansatzstelle durchgeführt. Wunden, die mehr als 3 cm Durchmesser haben, können mit einem Wundverschlussmittel behandelt werden. Wichtig ist, die Wunde vor dem Verstellen der Leiter zu verstreichen.

Beobachtungen, wie sich Bäume entwickeln, an welchen Trieben und Zweigen Früchte gebildet werden, sind Voraussetzungen für den richtigen Schnitt.

Für interessierte Freizeitgärtner werden immer wieder Obstbaumschnittkurse angeboten. Der Besuch solcher Veranstaltungen und die eigenen, über Jahre gewonnenen Erfahrungen des Freizeitgärtners ergeben eine gute Grundlage für reiche Erträge und eine günstige Entwicklung der Bäume.

Weiterführende Literatur (Beispiele)

  • Riess, Hans-Walter: Obstbaumschnitt in Bildern, Obst- und Gartenbauverlag, München
  • Schmid, Heiner: Obstbaumschnitt, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart
  • Stangl, Martin: Freude und Erfolg im eigenen Obstgarten, BLV-Verlag, München
  • Buchter-Weisbrodt, Helga: Obst – Die besten Sorten für den Garten, Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart

Bilder und Text: © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim, mit freundlicher Genehmigung
http://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/wochentipps/262882/index.php