Nordhäuser Winterforellenbirne

Nordhäuser Winterforellenbirne

Ein Kenner des Harburger Obstbaumgestands meinte bei einer Baumbegehung am unteren Burgparkplatz in Harburg: „Dia Bira schmeckat übrhaupt net.“ Übereinstimmend äußerte sich ein Bauhofmitarbeiter, der dort regelmäßig mäht: „I hab a mol neibissa und hab’s glei wiedr ausgschpuckt. Dia ka ma fei net essa!“
Unweit davon hat ein LKW während der Umleitung aufgrund von Bauarbeiten 2019 im Harburger Tunnel einen hohen Altbirnbaum umgefahren. Ob er damit „den Falschen“ erwischt hat? Jedenfalls rufen solche Äußerungen und Phänomene einen Pomologen auf den Plan. Wer auch immer den Birnbaum gepflanzt hat, muss entweder gezielt gehandelt haben oder es hat ihm an jeder Kenntnis über die Folgen seines Handelns gefehlt. Jedenfalls fördern solche Geschmacksproben nicht gerade den Zuspruch bei der jährlichen Obstertragsversteigerung. Dabei trägt der Baum doch so regelmäßig! Also rufe man einen Pomologen auf den Plan – und siehe da: Volltreffer, wieder einmal eine seltene Sorte im Landkreis entdeckt! Es ist die Nordhäuser Winterforellenbirne, die zwar ab Anfang Oktober gepflückt werden kann, aber lange Zeit rübig schmeckt und erst ab Januar wirklich genussreif wird. Erst dann wird die Frucht ihrer Bestimmung als farbige Winterspeisebirne gerecht. Bis März lässt sie sich aber auch einmachen oder zu Kompott verarbeiten.
Wie kam diese im Landkreis und ganz Nordschwaben seltene Sorte wohl hierher? Ursprünglich ist sie nämlich als Sämling entstanden und um 1864 von einer Baumschule Foehr in Nordhausen verbreitet worden. Tatsächlich ist die „Winterforelle“ oder „Nordhäuser Forelle“ eine Lokalsorte, die vor allem im Harz und in Thüringen zu Hause ist.
Wer seine Früchte also wirklich essen will, braucht eine entsprechende Lagermöglichkeit. Die Reifezeit ist sehr ungewöhnlich. Bäume dieser Art sind geradezu prädestiniert für Notzeiten. Doch auch aus anderen Gründen verdient der Baum unterhalb der Harburg beste Pflege und möglichst auch Vermehrung.

Steckbrief:
Baum: mittelstarker Wuchs, Eignung für alle Erziehungsformen, trägt früh und regelmäßig, bei tiefen Temperaturen plötzlicher Fruchtfall vor Baumreife
Blüte: mittelfrüh, wenig frostempfindlich, guter Pollenspender
Schale: grünlich bis rötlich gelb mit karminroter Deckfarbe
Frucht: mittelgroß, saftig, schmelzend
Pflückreife: ab Anfang Oktober
Genussreife: nicht vor Januar
Haltbarkeit: bis März

Ralf Hermann Melber, 15. Mai 2022

Goldrenette aus Blenheim

Goldrenette aus Blenheim

Goldrenette aus Blenheim

In Schlachten auf dem Schellenberg und bei Höchstädt 1704 siegte der Herzog von Marlborough aus England. Im Englischen benennt man die Höchstädt-Schlacht nach dem nahen Blindheim: „Battle of Blenheim“. Doch es gibt ein echtes „Blenheim“. Im Schlosspark jenes Herzogs im englischen Woodstock wurde 1740 erstmals eine bestimmte Apfelsorte gefunden. Benannt wurde sie nach dem benachbarten Landsitz: Die „Goldrenette aus Blenheim“ war geboren. Sie ist mit der Zeit auch in Deutschland heimisch geworden und wird nach wie vor von Baumschulen vertrieben.
Eigentlich braucht ein Apfelbaum dieser Sorte keine allzu häufigen Schnittmaßnahmen. Genau diesen sah sich seit Mitte der Jahrtausenderwende aber ein Exemplar in Heroldingen ausgesetzt, weil sich abwechselnd verschiedene Baumschneider mit gegensätzlicher Ausrichtung daran machten. An dieser Stelle sei erwähnt, dass es kein häufiges Erlebnis ist, zwei Baumpfleger, die sich einig sind, auf einmal anzutreffen. Tatsächlich gibt es verschiedene Kronenerziehungsformen, etwa den alten Etagenschnitt, wo nicht nur die unteren Leitäste dominieren. Dagegen schwappte aus der Schweiz die durchaus sinnvolle Erziehung einer „Oeschbergkrone“ herüber, die von starken, unteren Leitästen und einem noch stärkeren, gerade nach oben verlaufenden Hauptast geprägt ist, entlang dessen sich „Trittäste“ mit reichlich Fruchtholz bilden. „Du defsch dean fei net so auslada lossa“, monierte einer. Doch ein anderer stellte fest, dass die Goldrenette von Blenheim naturgegeben breit ausladend wächst, dazu stark und gut verzweigend. Wer den Platz für einen entsprechenden Baum nicht hat, sollte sich für eine andere Sorte entscheiden, anstatt ständig gegen die Natur zu kämpfen und Wasserschosse zu produzieren. Gerade triploide Sorten (schlechte Pollenspender) wachsen meist stark.
Der Baum wünscht einen warmen Platz und keine schweren Böden. Auf den meisten Standorten trägt er nicht viel, weshalb eine geschützte Lage in Kombination mit richtiger Pflege eher die gewünschten Ergebnisse bringt. Die Frucht ist nämlich sehr aromatisch mit walnussartigem Geschmack.

Steckbrief:
Baum: stark und ausladend wachsend, nährstoffreicher, kräftiger Boden nötig, später Ertrag, krebsanfällig, kaum Schorf (Äste gut auslichten und freistellen)
Blüte: mittelfrüh, witterungsempfindlich, triploid
Schale: ledrig, trocken, matt- bis trübrot, zahlreiche Schalenpunkte
Frucht: relativ groß, wenig saftig, typische Würze, nussig-edler Geschmack
Pflückreife: Anfang Oktober
Genussreife: ab November
Haltbarkeit: mitunter bis März

Ralf Hermann Melber, 15. Mai 2022

2022 – Gartentipp 20 – Der Garten – Lebensraum für (Wild)Bienen

2022 – Gartentipp 20 – Der Garten – Lebensraum für (Wild)Bienen

Im Garten summt und brummt es. Honigbienen und Wildbienen sind unterwegs und suchen nach Nahrung, aber auch nach geeigneten Brutplätzen. Die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie geben Tipps zur Gestaltung, um Lebensraum für Bienen und die „wilde Verwandtschaft“ zu sein.

Ein bienenfreundlicher Garten ist blütenreich und vielgestaltig und kann durchaus auch pflegeleicht sein. Zugleich ist er Erholungsraum für uns Menschen.

 

Ein Tag für die Biene

Viele Insekten sind wichtige Bestäuber für Wild- und Kulturpflanzen, die dann wiederum unseren Speiseplan bereichern. Bienen und Wildbienen sind deshalb wichtige Nutztiere, die die Ernte von Obst- und vieler Gemüsearten sowie anderer Nahrungsmittelpflanzen sichern. Grund genug, der Biene einen eigenen Tag zu widmen. So ist seit 2018 der 20. Mai Weltbienentag, ausgerufen durch die Vereinten Nationen. Es gibt auch weitere regionale und nationale Bienentage, um die Wichtigkeit der nützlichen Helfer herauszustellen.

 

Der blühende Bienengarten

Bienen benötigen Nektar als zuckerhaltigen Treibstoff sowie Pollen als Eiweißquelle und zur Aufzucht der Brut. Mit pollen- und nektarführenden Pflanzen locken Sie die Insekten in Ihren Garten. Die Honigbiene gehört zu den Generalisten. Sie ist also nicht wählerisch und findet ihre Nahrung an vielen geeigneten Blüten. Wildbienen sind oft jedoch Spezialisten und nutzen dann manchmal nur den Pollen einer Pflanzenfamilie oder Gattung. Daher kann man viele Wildbienenarten nur eine recht kurze Zeit im Garten beobachten.

Für eine vielfältige Bienenschar benötigen Sie einen vielfältigen Garten.

Honig-Bienen fliegen vom zeitigen Frühjahr bis zum späten Herbst, die verschiedenen Wildbienen sind zu unterschiedlichen Zeiten anzutreffen. Ein Garten sollte deshalb Blüten fast während des ganzen Jahres bieten. Mit geschickten Mischungen von Nutz- und Zierpflanzen lässt sich dies erreichen. Die Blüte im Obst- und Gemüsegarten kann mit Kräutern und Einjahresblumen verlängert werden. Oft grenzen Zier- und Erholungsgarten an, wo Stauden und Gehölze vorherrschen. Frühlingsblühende Zwiebelblumen sind erste Nahrungsquellen im Jahr. Überall im Garten können Schneeglöckchen, Winterling und Traubenhyazinthen verwendet werden.

 

Gestaltungselemente (nicht nur) für Bienen

Ein Garten ist für uns Erholungsraum, Freizeitbeschäftigung und dient manchmal auch zur (Teil-)Selbstversorgung. In einem vielfältigen Garten mit unterschiedlichem Blütenangebot können je nach Größe mehrere Gestaltungselemente Verwendung finden. Manche sind vielleicht schon vorhanden, die mit wenigen Maßnahmen zum Nistplatz oder Lebensraum für Bienen werden. Dazu gehören Hecken und Holzzäune, Wiesen und Blühsteifen, Mauern und Stufen, unbefestigte Wege und Wege, deren Zwischenräume bepflanzt sind oder Grün zugelassen wird. Selbst Totholz, ein „Sandarium“ oder nur ein Stückchen offener Boden lässt sich integrieren und wird Brutplatz für Wildbienen. Bienen benötigen Wasser, und dies nicht nur im Sommer. Ein Teich oder eine Schale mit Wasser bieten das lebenswichtige Nass.

Auch ein kleiner Garten oder Balkon kann mit wenigen Elementen und einer geschickten Bepflanzung zu einem Paradies für diese wichtigen Insekten werden. Und je mehr Lebensräume entstehen, umso besser ist die Vernetzung, was zur Erhaltung der Bienen- und Insektenvielfalt beiträgt.

 

Lust auf mehr? Die Fachleute der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau haben instituts- und fachübergreifend eine Broschüre erstellt, mit Tipps und Empfehlungen zur Gestaltung von Lebensräumen für (Wild)Bienen. Diese steht als Download kostenfrei (pdf) zur Verfügung.

https://www.lwg.bayern.de/bienen/bildung_beruf/297917/index.php

https://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/bienen/dateien/broschuere_bienengarten_bf.pdf

 

(Bilder:  Verschiedene Autoren © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim)

 

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an das Gartentelefon (0931/9801-3333) oder schreiben Sie eine E-Mail an bay.gartenakademie@lwg.bayern.de

Bilder und Text: © Bayerische Gartenakademie an der LWG Veitshöchheim, mit freundlicher Genehmigung