von admin | 15.12.2025 | Wochentipps
Die Klimaveränderung macht auch vor unseren Gärten nicht halt. Hitze- und Trockenschäden, aber auch Winter- bzw. (Spät-)Frostschäden wurden häufiger beklagt. Die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie wissen Rat.
Jetzt sieht man wieder häufiger Obstbäume in Gärten und sogar auf Streuobstwiesen, die einen weißen Stamm besitzen.
Warum sind die Stämme weiß?
Ein weißer Anstrich bietet Schutz vor schädigender Wintersonne und zugleich vor Sonnenbrand im Sommer. Sonnige Tage im Spätwinter regen den Saftstrom in der Pflanze an. Herrschen dann nachts frostige Temperaturen, und wird die Südseite des Stammes tagsüber von der Sonne beschienen und erwärmt, entstehen Spannungen unterhalb der Rinde bis ins Holz. Bei einem häufigen Wechsel von Gefrieren und Auftauen entstehen die sogenannten Frostrisse ebenso wie längere Perioden mit tiefen Minusgraden in der Nacht. Die Rinde reißt meist an der sonnenzugewandten Seite senkrecht auf. Besonders betroffen sind Gehölze an sonnenexponierten Lagen wie beispielsweise einem Südhang mit viel Sonne und jüngere Stämme mit glatter Rinde.
Die weiße Farbe hingegen reflektiert Licht und verhindert, dass sich die dunklen Stämme der Gehölze stärker erwärmen. Der Saftstrom in die Knospen wird verzögert und somit treiben die Knospen später aus. Dies wiederum beugt Knospen- und Blütenschäden durch Spätfröste vor, denn die milden Temperaturen in den letzten Wintern führten zu einem frühen Austrieb und vorzeitiger Blüte. Einsetzende Spätfroste zerstörten die Blüten und führten zu einem geringen Ertrag.
Bei Steinobst tritt Saftanstieg und Austrieb besonders früh ein. Da viele Arten und vor allem jüngere Bäume eine glatte Rinde besitzen, ist das Weißeln der Stämme von Aprikosen, Pfirsichen und auch Kirschen empfehlenswert, um Frostrissen vorzubeugen.
Einen Weißanstrich anbringen
Vor einem Anstrich ist etwas Baumpflege nötig. Mit Hilfe einer groben Bürste entfernen Sie lose Rindenstücke am Stamm und an dickeren Ästen. Durch das Glätten erleichtert man sich das Auftragen des Anstriches. Gleichzeitig werden auch mögliche Schaderreger entfernt, die an oder unter der Rinde sitzen.
Der Handel bietet verschiedene Produkte zum Anstreichen an. Achten Sie stets auf die Gebrauchsanweisung. Diese dient zum Schutz des Anwenders. Auch ist es möglich einen Weißanstrich aus Kalk und Tapetenkleister selbst herzustellen.
Das Einbinden des Stammes über Winter mit Fichtenreisig, Jutesack oder Vlies beugt ebenfalls Stammschäden vor und bietet eine Alternative.
Weißanstrich, auch für den Sommer
Typisch ist das Weißeln der Bäume für den Winter. Doch mit immer stärkerer Sonneneinstrahlung im Sommer erleiden die Gehölze zunehmend auch Schäden im Rindenbereich. Nachdem die Rinde gerissen oder das Kambiumgewebe darunter geschädigt ist, können sich verschiedene Pilzkrankheiten hier ansiedeln. Der somit im Laufe der Jahre vorgeschädigte Stamm kann zum Absterben des ganzen Baumes führen. Auch hier sind Bäume an heißen Sonnenhängen besonders gefährdet. Ein Weißanstrich im Sommer bietet Schutz.
In eigener Sache:
Jetzt kommt die Weihnachtszeit – eine Zeit der Ruhe und Besinnlichkeit, eine Zeit der Freude und Fröhlichkeit, eine Zeit der Erholung…… Auch die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie freuen sich darauf und machen Winterpause, um neue Kraft zu schöpfen. Am 05.01.2026 erscheint dann der nächste Gartentipp.Wer Informationen rund um den Garten sucht, findet diese auf den Internetseiten der Bayerischen Gartenakademie. Zudem ist das neue Seminarprogramm bald online verfügbar.
Wir wünschen Ihnen eine erholsame Weihnachtszeit und alles Gute für 2026!
Das Team der Bayerischen Gartenakademie
von admin | 08.12.2025 | Wochentipps
Wer den Garten schätzt, sucht auch gerne Geschenke für gleichgesinnte Bekannte. Dann eignen sich pflanzliche Weihnachtsgeschenke oder weihnachtliche Pflanzengeschenke. Die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie teilen ein paar Ideen.
Die Freude über Pflanzengeschenke hält meist länger, denn sie erfreuen nicht nur wenige Wochen oder gar Tage, sondern fast das ganze Jahr über, beispielsweise mit Blüte, Frucht und Herbstfärbung. Tiere wie Insekten und Vögel können oft dort auch Nahrung und Unterschlupf finden.
Gehölze zur Weihnachtszeit
Verschenken Sie doch mal Obstgehölze, Ziersträucher, Kleinbäume oder Rosen. Welchen Standort und Platz hat der zu Beschenkende? Was sind die Vorlieben? Bietet der Garten genügend Raum, eignet sich vielleicht ein Kleinbaum wie Zierapfel oder ein Obstgehölz auf einer schwächer wachsenden Unterlage. Wildobst, mit oft sehr aromatischen und vitaminreichen Früchten, erlebt einen Aufwärtstrend. Während Mispel, Felsenbirne und Kornelkirsche besser im Garten ausgepflanzt werden, kann die strauchig wachsende Apfelbeere (Aronia) auch in einem großen Topf auf dem Balkon oder der Terrasse stehen. Schmalbleibendes Säulenobst eignet sich ebenfalls für die Kultur im Kübel wie auch Kulturheidelbeeren, die ein saures Pflanzsubstrat benötigen. An weiteren Obstarten für den Garten sowie mobile Gefäße bieten sich beispielsweise Stachel- und Johannisbeeren an. Als Stämmchen sind sie ein besonderes Geschenk.
Wenngleich die Blütezeit der Rosen jetzt vorbei ist, wissen Gartenfreunde um ihre Schönheit im Sommer und der Nachblüte im Herbst. Verschenken Sie robuste Sorten (ADR-Rosen). Für jeden Zweck und in jeder Wuchsform bzw. Farbe finden Sie Auswahl. Wenn diese dann auch noch als Futterpflanzen für Bienen und andere Insekten attraktiv sind und mit den Hagebutten Vögel ernähren, leisten Sie außerdem noch einen Beitrag zur Vielfalt im Garten. Stöbern Sie in den Online-Shops großer Rosenbetriebe und Züchter. In den Wintermonaten werden die Rosen wurzelnackt angeboten.
Mit Verpackung wird es weihnachtlich
Freiland-Pflanzen in Töpfen benötigen jetzt sowieso einen Winterschutz. Nutzen Sie deshalb Sackleinen, Jutesäcke oder Wollvlies als Verpackungsmaterial für das Gefäß. Mit einer farbigen großen Schleife um den Topf, ein paar Sternen, Kugeln oder einer kleinen LED-Lichterkette an den Ästchen oder Zweigen sowie einer Moosabdeckung des Pflanzsubstrates erhält die Pflanze ihren weihnachtlichen Glanz.
Auch robuste wurzelnackte Gehölze oder Pflanzen mit Wurzelballen können verschenkt und kurzfristig geschmückt werden. Achten Sie darauf, dass die Gehölze möglichst schnell gepflanzt oder zumindest im Beet „zwischengelagert“ werden, um nicht auszutrocknen. Solange der Gartenboden nicht gefroren ist, kann am endgültigen Standort gepflanzt werden.
Auch darüber freut man sich
Weitere „Kleinigkeiten“ für Pflanzenliebhaber sind Christrose sowie kleine Nadelgehölze, die den Balkon oder Balkonkasten schmücken. Neben dem Weihnachtsstern verschenkt man für das Zimmer häufig Amaryllis und Orchidee. Auch erste Samentütchen für das neue Gartenjahr erfreuen den Freizeitgärtner. Sicherlich fällt Ihnen nun noch eine Menge mehr ein, um Ihren pflanzenbegeisterten Bekannten ein Leuchten in die Augen zu zaubern.
von admin | 01.12.2025 | aktuelles
Das Bild zeigt von links nach rechts: Wilhelm Faul (Vorsitzender des OGV Harburg), Altbürgermeister Anton Fischer, Stadträtin und Umweltreferentin Martina Thiel.
Foto: Wolfgang Stolz.
„Wie ein Baum, der mit den Jahren wächst, so auch das Leben – reicher und voller Früchte.“
(Zitat aus „Das Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben)
Anlässlich seines 80. Geburtstags hat Harburgs Altbürgermeister Anton Fischer einen Apfelbaum der Sorte „Berner Rosenapfel“ gespendet, der nun an der „Alten Maurener Straße“ in Harburg gepflanzt wurde. Die Pflanzung erfolgte in Zusammenarbeit mit den Obstbaumfreunden Harburg und ergänzt den bestehenden Obstbaumbestand.
Der „Berner Rosenapfel“ ist für seinen süß-säuerlichen Geschmack und einige weitere vorteilhafte Eigenschaften bekannt. Darüber hinaus wird die Sorte auch von Allergikern geschätzt, da sie aufgrund ihres höheren Polyphenolgehalts besser verträglich ist. Besonders Menschen mit Kreuzallergien, etwa bei Birkenpollenallergie, profitieren von dieser Eigenschaft.
Anton Fischer erklärte bei der Pflanzung, dass der Apfelbaum für ihn ein Symbol für Wachstum und die Verbindung von Generationen sei. Er freue sich, mit seiner Spende einen Beitrag zu leisten, der auch in den kommenden Jahren Früchte tragen werde.
Mit dieser Spende möchte Fischer ein Stück Natur bewahren und die Bedeutung von Obstbäumen als Teil der Harburger Kultur und Umwelt hervorheben. Der neu gepflanzte „Berner Rosenapfel“ wird Harburgs Generationen in Zukunft bereichern.
von admin | 01.12.2025 | Wochentipps
Es ist schön und überraschend, wenn vermeintlich kahle Zweige an Weihnachten erblühen. Barbarazweige im Advent haben eine lange Tradition. Wie hübsch ist es, wenn Blüten den Heiligen Abend schmücken. Und die Fröste der vergangenen Woche bilden gute Voraussetzungen, freuen sich die Fachleute der Bayerischen Gartenakademie.
Blüten in der tristen Jahreszeit künden schon vom Frühling. Zum Vortreiben in der Wohnung eignen sich verschiedene frühblühende Gartengehölze.
Barbarazweige
Traditionell werden „Barbara-Zweige“ am 4. Dezember geschnitten, dem Namenstag der Heiligen Barbara. Die bis Heiligabend erscheinenden Blüten symbolisieren neues Leben in der dunklen Zeit und die Geburt Jesu.
Die Legende erzählt: Als sich die Heilige Barbara zum Christentum bekannte, widersetzte sie sich dem Willen ihres Vaters. Um sie wieder davon abzubringen, ließ er seine Tochter zunächst in einen Turm sperren. Als sie später in ein Gefängnis verlegt wurde, verfing sich auf dem Weg dorthin ein Kirschbaum-Zweig im Kleid der jungen Frau. Diesen stellte sie dann in ihren mit Wasser gefüllten Trinkbecher. Es erblühte der Zweig – es war der Tag, an dem sie zum Tode verurteilt wurde.
Für Barbarazweige geeignete Gehölze
Am bekanntesten sind sicherlich die (jungen) Triebe frühblühender Kirschensorten, die in der Regel zuverlässig ihre weißen Blüten zu Weihnachten zeigen. Die drei Wochen Wärme sind für die Knospen nötig, um „Frühling“ zu erkennen und die Blüten zu öffnen. Aber auch andere Obstgehölze (Apfel, Zwetschge) sowie generell winter- und frühlingsblühende Ziergehölze können Sie im Garten schneiden. Es eignen sich japanische Zierquitte, Forsythie, aber auch Zierformen von Pflaume und Kirsche, Schlehe, Zierjohannisbeere und Kornelkirsche. Da winterblühende Gehölze wie Winterschneeball und Winterjasmin schon von selbst in wenigen Wochen draußen erblühen, lassen sich diese Zweige besonders gut antreiben. Achten Sie beim Schneiden auf die Knospen am Trieb: dickere, rundliche Knospen öffnen sich zu Blüten, dünne und spitze Knospen bilden Blätter.
Stehen sowieso Schnittmaßnahmen im winterlichen Garten an, z.B. Auslichten der Sträucher oder jährlicher Baumschnitt, finden abgeschnittene Triebe einen wunderbaren Platz in der warmen Wohnung. Übrigens können Sie über den ganzen Winter Zweige schneiden, die in kurzer Zeit ein Blütenmeer ins Zimmer zaubern.
So werden es besonders schöne Blüten
Gehölze in der freien Natur benötigen eine winterliche Ruhephase, bevor sie wieder austreiben und blühen. Die milden Temperaturen nach der Kälte deuten auf Frühling hin und für die Knospen wird es Zeit zum Aufbruch. Fröste, wie wir sie in der letzten Zeit hatten, sind deshalb gut für das Antreiben der Zweige. Sie sorgen dafür, dass die Knospen gleichmäßig erblühen. In manchen Jahren wird es vor dem 4. Dezember nicht richtig kalt und auch leichte Fröste bleiben aus. Notfalls legen Sie die Zweige über Nacht in die Gefriertruhe. Das Wärmebad mit warmem Wasser für wenige Stunden ist oft nicht nötig. Wichtig ist jedoch das schräge Anschneiden der Triebe mit einem scharfen Messer. Der Anschnitt sollte so lang und schräg wie möglich sein, damit möglichst viel Wasser aufgenommen werden kann. Kräftigere Äste werden mit einem Hammer leicht angeklopft. Das spaltet die Holzfasern leicht auf. Unmittelbar danach stellen Sie die Zweige in handwarmes Wasser. Wechseln Sie alle drei bis vier Tage das Wasser und reinigen Sie die Vase. Bakterien könnten sonst die Leitungsbahnen verstopfen. Auch wenn die Lufttemperaturen zum Antreiben nicht zu kalt sein dürfen, wäre ein Platz neben der Heizung oder den Ofen denkbar ungünstig. Durch die geringe Luftfeuchtigkeit trocknen die Blütenknospen häufig ein bevor sie ihre Blüten öffnen.
Barbarazweige an Heiligabend
Zeigen sich erste Blütchen, geht es ans Dekorieren. Einzelne Blütenzweige stehen zusammen mit dünnen Trieben von Rindenhartriegeln in schlichten Glasvasen, viele kurze Blütentriebe schmücken ein breites Gefäß, Kombinationen mit grünen Zweigen von Kiefer, Douglasie oder anderen Nadelgehölzen sind denkbar. Die Möglichkeiten sind grenzenlos. Probieren Sie aus und freuen Sie sich über die Blütenschönheiten im Winter.
von admin | 28.11.2025 | Obstbaumgruppe

Clapps Liebling
Agroforstwirtschaft – also eine Kombination aus Bäumen und Landwirtschaft – hatte in Deutschland zumindest bis 2023 noch ein eher stiefmütterliches Dasein, während sie z.B. in Frankreich aus guten Gründen schon längst staatlich gefördert wird. Doch nicht nur in der Schweiz gibt es zunehmend Obst- und Nussbaumreihen zwischen Ackerkulturen: Am Riesrand sind einige alte Zeilen Obstbäume und Hecken erhalten, entlang derer sich Äcker oder Wiesen ausbreiten, wie das zwischen dem Heroldinger Badersberg und dem Markhof bei Huisheim der Fall ist. Kaum aufgespürt wurde während der pomologischen Bestandsaufnahme im Landkreis ein Birnbaum der Sorte „Clapps Liebling“. Doch genau ein solcher steht in diesen „historischen Agroforststreifen“. Thaddäus Clapps züchtete diese Sorte vor 1860 in Dorchester, Massachusetts (USA). Als Muttersorte wird die „Holzfarbige Butterbirne“ angegeben.
Clapps Liebling reift früh und hängt auf fruchtbaren Bäumen. In Hausgärten sei die Sorte an und für sich noch häufig zu finden. Nährstoffreichen, warmen Boden in geschützter Lage liebt der Baum, dabei beuteln ihn am oben genannten Standort alle möglichen Winde und Stürme. Dafür hat sich die späte, ziemlich unempfindliche Blüte über Generationen bewährt.
Empfohlen wird bei Anbau auf Quittenunterlage eine Zwischenveredelung. Tatsächlich ist festzustellen, dass genau dies bei dem „alten Heroldinger“ der Fall ist. Unten am Stamm bildeten sich einst Äste, die irgendeine unveredelte Birne trugen und natürlich wieder entfernt wurden, um alle Kraft für Krone und Früchte zu lassen. Zum Verständnis sei hier erwähnt, dass Unterlagen der Bereich des Baums sind, auf den eine Veredelung aufgepropft wird, einschließlich der Wurzel. Es gibt verschiedene Unterlagen: schwach-, mittelstark- oder starkwachsend. Baumschulen beraten hierüber fachkundig. Kenntnisse zu Unterlagen und Sortenwuchscharakteristiken sorgen dafür, später z.B. nicht von einem viel zu hohen Baum vor dem Haus überrascht zu werden. In anderen Fällen mag man sich darüber beklagen, warum ein Bäumchen nicht recht wachsen will. Clapps Liebling braucht jedenfalls regelmäßige Schnittüberwachung, ist aber für alle Baumerziehungsformen – auch Spalier –geeignet.
Steckbrief:
Baum: stark wachsend, steil aufwärts wachsende Gerüstäste, später breitpyramidal, Ertrag früh einsetzend
Blüte: spät, unempfindlich, guter Pollenspender
Schale: gelblich grün, Sonnenseite orange bis kräftig ziegelrot
Frucht: wertvolle Tafel- und Einkochbirne
Pflückreife: August
Genussreife: August
Haltbarkeit: bis ca. eine Woche nach der Ernte, daher besser hartreif pflücken
Ralf Hermann Melber ist Mitglied im Deutschen Pomologenverein und Obstbaumpfleger.
Ralf Hermann Melber, 5. September 2023